Marsus Geschichts-Blog

Eva Maria Buch

10. Mai. 2008 · Keine Kommentare

Eva-Maria Buch war 22 Jahre alt als sie am 5. August 1943 in Plötzensee hingerichtet wurde. Ihre Spur und der ihrer Eltern wurden erst vor wenigen Jahren wieder entdeckt.

Eva-Maria Buch kam am 31. Januar in Berlin Charlottenburg zur Welt und lebte mit ihren Eltern bis in die dreissiger Jahr in diesem Bezirk. Die Eltern erzogen ihre einzige Tochter nachdem Katholischen Glauben und versuchten ihr musische und schöngeistige Interessen weiterzugeben. Eva-Maria besuchte sechs Jahre die Ursulinen-Schule bis die NS-Führung 1936 die höheren katholischen Privatschulen abbauten. Die Schule zog dann nach Zehlendrof um und wurde am 31. Mai 1939 geschlossen. Eva-Maria verliess die Schule ohne Abitur und besuchte anschliessend ein Seminar für Sprach- und Dolmetscherwesen an der Auslandshochschule der Berliner Universität.

1940/41 arbeitete sie für einige Stunden in der Gsellius’schen Buch -, Antiquar- und Globenhandlung an der Mohren- Ecke Friedrichstrasse und lernte dort den Buchhändler Wilhelm Guddorf kennen. In dieser Buchhandlung arbeiteten Menschen, die wo anders keine Anstellung gefunden hätten, Guddorf war Redakteur der Roten Fahne und wurde 1934 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt, neben ihm arbeitete noch eine Tochter eines Kommunisten und eine Frau jüdischer Herkunft.

Durch Guddorf kam sie in Verbindung mit der Roten Kapelle, wobei sie den gesamten Umfang der oppositionellen Aktivitäten nicht überblickt hatte. Eva-Maria nahm an ein paar Zusammenkünften teil. Dort wurde sie als die Braut von Guddorf vorgestellt. Ihre Widerstandstätigkeit war die Übersetzung von Aufrufen der Roten Kapelle an ausländische Zwangsarbeiter in den Rüstungsbetrieben ins Französische.

Anfangs Herbst 1942 schützte sie Wilhelm Guddorf vor der Entdeckung der Gestapo indem sie ihn in einer Laube versteckte. Seit dem 31. August 1942 wurden die Frauen und Männer der Roten Kapelle verhaftet, Eva-Maria erfasste die Verhaftungswelle am 11. Oktober 1942. Sie wurde in der elterlichen Wohnung ohne Haftbefehl und Erklärung verhaftet. Nach der Durchsuchung der Wohnung blieb die Gestapo bis zum 15. Oktober 1942 in der Wohnung die Eltern mussten auf eine Reise. Man wollte damit Guddorf auf die Spur kommen, die Beziehung zwischen Eva-Maria und Wilhelm war der Gestapo bekannt. Er wurde kurze Zeit später ebenfalls verhaftet.

Eva-Maria sass bis zu ihrem Prozess, der vom 1. bis 3. Februar 1943 durchgeführt wurde, in Untersuchungshaft und wurde dort mehrfach Verhört. Die Eltern durfte sie in dieser Zeit nicht sehen und der Gerichtstermin wurde den Eltern ebenfalls nicht mitgeteilt. Die Beschuldigte konnte ihre Verteidigung nicht vorbereiten weil man den Angeklagten den Wortlaut der Anklageschrift verschwieg.
Der Richter hatte Zweifel an dem Handeln von Eva-Maria und glaubte sie habe sich verleiten lassen. Er fragte sie folgendes: „Sie haben jetzt von den Ungeheuerlichkeiten gehört, die ihre Freunde gegangen haben. Hätten Sie, wenn Ihnen das bekannt gewesen wäre, die Tat nicht begangen und hätten Sie Anzeige erstattet?“ Entrüstet wies sie das Ansinnen von sich: „Anzeigen? Dann erst wäre ich so niederträchtig und verdorben, wie Sie mich hinstellen möchten.“ Darauf hin wurde sie am 3. Februar 1943 zum Tode verurteilt.

Zunächst blieb sie im Polizeigefängnis am Alexanderplatz und wurde zusammen mit den anderen zum Tode Verurteilen Frauen der Roten Kapelle am 30. März in das Gerichtsgefängnis nach Charlottenburg überführt. Am 13. Mai 1943 wurde Wilhelm Guddorf hingerichtet und damit zerbrach ihre Hoffnung. Nachdem sie in das Frauengefängnis überführt wurde durfte sie endlich ihre Eltern wieder sehen. Diese Versuchten alles um die Hinrichtung zu verhindern. Sie reichten ein Gnadengesuch ein, dieses wurde aber von Hitler persönlich am 21. Juli 1943 abgelehnt.

Am 5. August 1943 starb Eva-Maria Buch in Plötzensee.

Seit dem 6. November 1993 trägt die Tempelhofer Stadtbücherei den Namen Eva-Maria Buch-Bibliothek.

Literatur:
Hans Coppi
Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Kategorien: Rote Kapelle · Widerstand im Dritten Reich
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